Trading Plan

 

Ein guter Trading-Plan sollte flexibel angelegt sein

Zu Beginn einer Investition ist es sinnvoll, alle Aspekte eines Trades, den Sie platzieren, festzuhalten. Wenn Sie später Ihre tatsächlichen Trades mit dem Trading-Plan vergleichen, können Sie mögliche Schwachstellen Ihrer Strategie erkennen. Diese Informationen sind wichtig, um Verbesserungspotenziale zu erkennen. Sie helfen dabei, Disziplin beim Trading zu wahren. Sobald Sie eine Position schließen, sollten Sie das Ergebnis nochmals kritisch betrachten. Das ermöglicht es Ihnen, Ihre Performance zu verfolgen, (Fehlverhaltens-)Muster auszumachen und Ihre Strategien gegebenenfalls anzupassen. Bewahren Sie diese Informationen möglichst einige Zeit auf und greifen Sie darauf zurück, wenn Sie wieder in das gleiche Produkt investieren wollen.
Begründen Sie immer Ihre Trades

Erfahrene Investoren haben eine Art Check-Liste, die sie vor der Platzierung eines Trade abarbeiten.
Fachfolgend finden Sie einige – ohne den Anspruch auf Vollständigkeit – Bausteine, die beim Erarbeiten eines Trading-Plans wichtig sind. Die Fragen der Check-Liste sollten Sie immer möglichst selbstkritisch beantworten.

Warum soll dieser Trade platziert werden?
Welche Fundamentaldaten beeinflussen derzeit dieses Produkt?
Gibt es absehbare signifikante Risiken in der Zukunft, die in Ihren Anlagezeitraum fallen, worin bestehen diese und wann könnten diese auftreten?
Welches sind die aktuellen charttechnischen Unterstützungs- und Widerstandsniveaus? Wo liegen diese im Vergleich zum geplanten Einstiegsniveau?
Wo liegt sinnvollerweise der Stop-Loss-Kurs und das erste Kursziel zu platzieren? Welches Chance-Risiko-Verhältnis ergibt sich daraus?
Wurden gängige technischen Indikatoren analysiert? Existieren widersprüchliche Signale?
Gibt es historische beziehungsweise empirische Daten, die die Entscheidung untermauern könnten?
Existieren Korrelationen, die sich auf den Trade auswirken könnten, zum Beispiel Entwicklungen im Index, Dollar oder Rohstoffpreise?
Welchen prozentualen Anteil des Gesamtkapitals soll bei dieser Position eingesetzt werden und ist dieser Betrag gerechtfertigt?
Welche Marginsumme soll für diese Position aufwendet werden und wie verhält sich diese Margin prozentual zum Kontostand?

Warum soll dieser Trade platziert werden?

Hier sollten Sie sich einen Überblick über die wichtigsten Argumente für und gegen den Trade verschaffen. Jede Position hat positive und negative Aspekte. Es ist wichtig diese selbstkritisch zu notieren.
Diese Frage kann erst dann abschließend geklärt werden, wenn alle weiteren Trading-Ideen geprüft wurden.
Welche Fundamentaldaten beeinflussen derzeit dieses Produkt?

Selbst wenn Sie Ihre Trading-Entscheidungen rein auf Basis der technischen Analyse treffen, sollten aber dennoch auch Fundamentaldaten eine gewisse Rolle spielen. Notieren Sie beispielsweise die aus Ihrer Sicht wichtigsten aktuellen Entwicklungen. Überprüfen Sie anhand historischer Daten, wie sich bestimmte Veröffentlichungen von Fundamentaldaten in der Vergangenheit auf die Preisbewegung ausgewirkt haben. So können Sie Nachrichten besser einschätzen.
Gibt es absehbare signifikante Risiken in der Zukunft, die in Ihren Anlagezeitraum fallen, worin bestehen diese und wann könnten diese auftreten?

Falls Sie eine Aktie handeln, sollten Sie die Veröffentlichung von Jahres- oder Quartalsergebnissen berücksichtigen, ebenso Jahreshauptversammlungen oder beispielsweise Ex-Dividende-Tage. Die meisten Unternehmen kündigen Finanznachrichten vorab an, jedoch werden einige Nachrichten auch ad hoc veröffentlicht.

Ebenso wichtig ist es, die Veröffentlichung von weltweit beachteten wichtigen Wirtschaftsdaten zu berücksichtigen, von Inflationszahlen und Zinsveränderungen bis hin zu Arbeitsmarktdaten und der Anzahl neu geschaffener Stellen. Diese Wirtschaftsdaten können großen Einfluss auf offene Positionen haben. Falls wichtige Daten entgegen Ihren Erwartungen ausfallen und der Markt sich stark gegen Sie bewegt, benötigen Sie „Plan B“ – schon griffbereit.
Welches sind die aktuellen charttechnischen Unterstützungs- und Widerstandsniveaus? Wo liegen diese im Vergleich zum geplanten Einstiegsniveau?

Viele Investoren warten, bis der Kurs sich nahe eines wichtigen Unterstützungs- oder Widerstandsniveaus (signifikantes Hoch oder Tief) befindet, um das beste Chance-Risiko-Verhältnis zu erreichen – wie hoch ist das Risiko im Vergleich zum potenziellen Gewinn?

Als Faustformel gilt: Je weiter der Kurs von einem potenziell kritischen Niveaus entfernt, desto größer ist das potenzielle Verlustrisiko.

Schwierig wird es, wenn sich der Kurs sich zwischen zwei kritischen Niveaus bewegt. Möglicherweise ist es dann sinnvoller auf einen besseren Kurs (Einstiegszeitpunkt) zu warten oder die Positionsgröße zu reduzieren.
Wo liegt sinnvollerweise der Stop-Loss-Kurs und das erste Kursziel zu platzieren? Welches Chance-Risiko-Verhältnis ergibt sich daraus?

Es empfiehlt sich, eine Ausstiegsstrategie für eine Position im Vorhinein festzulegen: Ein Kursziel für den Fall, dass der Markt sich entsprechend der Erwartung entwickelt und einen Stop-Loss-Kurs, falls sich der Markt entgegen der Einschätzung bewegt. Ein striktes Risikomanagement gehört zu jedem Trade! Alles andere ist langfristig zu risikoreich.

Viele Investoren nutzen ein Chance-Risiko-Verhältnis von 3 zu 1. Das heißt: Ein Risiko von 1.000 Euro würde also einen potenziellen Gewinn von 3.000 Euro erfordern. Das Chance-Risiko-Verhältnis sollte immer auch in die Entscheidung der Platzierung der Stop-Loss- beziehungsweise der Gewinnmitnahme-Order einfließen.

Haben Sie einmal ein Stop-Loss Niveau bestimmt, meist einige Prozent von einem wichtigen Unterstützungs- oder Widerstandsniveau entfernt, sollte diese nur mit sehr guten Gründen verändern. Den Stop-Loss-Kurs zu verschieben, bedeutet auch potenzielle höhere Verluste. Einer der häufigste Fehler: Verluste laufen lassen. Dabei wird die Stop-Loss Order nach und nach verschoben, wenn eine Position nicht in die gewünschte Richtung läuft.
Wurden gängige technischen Indikatoren analysiert? Existieren widersprüchliche Signale?

Sie sollten grundsätzlich möglichst viele Gründe für einen Trade zusammentragen. Dazu zählt auch die Analyse der charttechnischen Situation und der technischen Indikatoren. Bestätigen Indikatoren die eigene Meinung? Gibt es Divergenzen, also bewegt sich beispielsweise ein Indikator nach wie vor nach oben, obwohl der Kurs längst fällt?

Vor Positionseröffnung könnte zum Beispiel der 21- und 55-Perioden-SMA, der RSI, der MACD und die Slow Stochastik überprüft werden. Hilfreich kann auch die Einbeziehung von sogenannten Fibonacci-Retracements sein, um potenziell wichtige Preisniveaus zu erkennen.

Je mehr technische Signale vorliegen, umso sicherer werden Sie in Ihren Entscheidungen, auch wenn dies keine Garantie für den Erfolg eines Trades ist. Widersprüchliche Indikatoren beinhalten immer ein gewisses Risiko und sollten zumindest bei der Positionsgröße berücksichtigt werden.
Gibt es historische beziehungsweise empirische Daten, die die Entscheidung untermauern könnten?

Statistische Daten können Ihrer Trading-Idee fundierter machen. Achten Sie auf existierende Trends oder auf ein signifikantes Kursniveau. Wurde ein Trend gebrochen oder ein bestimmtes Kursniveau unterschritten?

Achten Sie beispielsweise auf ein charttechnisches Doppel-Top im Chart. Wie viele Doppel-Tops gab es in den zurückliegenden Jahren? Welcher Prozentsatz davon führte zu einer Trendumkehr?
Suchen Sie nach Anhaltspunkten, die Ihre Meinung bestätigen und solchen, die Ihrer Meinung widersprechen. Ziehen Sie anschließend Bilanz und machen davon Ihre Positionsgröße abhängig.
Existieren Korrelationen, die sich auf den Trade auswirken könnten, zum Beispiel Entwicklungen im Index, Dollar oder Rohstoffpreise?

Falls Sie planen, in ein Bergbauunternehmen zu investieren? Dann sollten den entsprechenden Aktienindex analysieren, um zu sehen, ob der Trend des breiten Markts Ihre Meinung stützt.

Auch die Rohstoffpreise haben einen großen Einfluss auf Bergbauunternehmen, sodass Sie sich möglichst auch die Charts der entsprechenden Rohstoffe ansehen sollten. Darüber hinaus ist der Dollar ein bestimmender Parameter für Preisentwicklungen an den Rohstoffmärkten.

Es gilt auch negative Korrelationen zu beachten. So kann ein Ölpreisanstieg möglicherweise die Kurse von Luftfahrt-Aktien negativ beeinflussen.
Welchen prozentualen Anteil des Gesamtkapitals soll bei dieser Position eingesetzt werden und ist dieser Betrag gerechtfertigt?

Es ist nicht ratsam, einen großen Anteil des Gesamtkapitals in einer Position oder in verschiedene Positionen, die stark zueinander korrelieren, zu investieren. Erleiden Sie mit der Position hohe Verluste oder die stark korrelierten Positionen verlieren unisono an Wert, sind diese Verluste meist nur sehr schwer wieder aufzuholen.

Der Prozentsatz des Gesamtkapitals, der investiert werden soll, hängt auch von der Trading-Idee ab. Allerdings ist jede noch so gute Trading-Idee keine Garantie für einen erfolgreichen Trade.

Beziehen Sie in Ihre Überlegungen immer auch mögliche unerwartete Ereignisse wie Terroranschläge oder Naturkatastrophen mit ein. Erstellen Sie Notfallpläne wie Sie gegebenenfalls auf solche Ereignisse reagieren würden.
Welche Marginsumme soll für diese Position aufwendet werden und wie verhält sich diese Margin prozentual zum Kontostand?

Erfahrene Investoren binden meist nicht mehr als 20 Prozent ihres gesamten Kapitals für die Margin einer Position. Diese zurückhaltende Vorgehensweise schützt vor zu großen und zu häufigen Trades und blockiert nicht Kapital für andere Investition.

Erfolgreiche langfristige Trades sollten Investoren auf geringe Finanzierungsanteile und höhere Margins achten – das hilft, Finanzierungskosten niedrig zu halten. Für kurzfristige Trades – unter einer Woche – kann eine höhere Fremdfinanzierung sinnvoll sein, da dann weniger Kapital gebunden ist, insbesondere für längerfristige Positionen, bei denen höhere Marginsummen hinterlegt werden müssen.
Beispiel für einen Trading-Plan

Name des Produkts: US30

Datum: 02.12.20XX

Warum soll dieser Trade platziert werden?
Kehren Sie zu diesem Abschnitt am Schluss zurück, nachdem Sie alle Argumente gesammelt haben.
Die fundamentalen Kriterien (Berichtssaison, Arbeitsmarkt, etc.) sprechen für den Index. Die technische Analyse deutet ebenfalls auf einen Kauf hin (Aufwärtstrend, Einstiegspunkt, etc.), auch wenn kurzfristig die Gefahr eines Rückschlags besteht, da die Märkte überkauft erscheinen. Das Chance-Risiko-Verhältnis somit: gut, aber mit Platz nach oben.

Welche Fundamentaldaten beeinflussen derzeit dieses Produkt?
Die Anzahl der neugeschaffenen Stellen ohne Agrarsektor wurden heute mit 120.000 veröffentlicht, besser als die erwarteten 80.000. Die US-Ökonomie scheint sich zu erholen. 78 Prozent der Unternehmen haben in ihren Quartalsberichten die Vorhersagen übertroffen. Zwei große Firmen legten heute Nachmittag herausragende Zahlen vor.

Gibt es absehbare signifikante Risiken in der Zukunft, die in Ihren Anlagezeitraum fallen, worin bestehen diese und wann könnten diese auftreten?
Es gibt sechs Großunternehmen, die während der kommenden Woche ihre Berichte vorlegen, drei davon am Freitag. Es wird erwartet, dass sie die sehr optimistischen Analysten-Erwartungen erfüllen. Die US-Handelsbilanz wird am Mittwoch veröffentlicht – es wird von einer Verbesserung ausgegangen.

Welches sind die aktuellen charttechnischen Unterstützungs- und Widerstandsniveaus? Wo liegen diese im Vergleich zum geplanten Einstiegsniveau?
Unterstützung bei 12.900, Widerstand bei 13.321, Einstieg bei 12.970, also long gehen.

Wo liegt sinnvollerweise der Stop-Loss-Kurs und das erste Kursziel zu platzieren? Welches Chance-Risiko-Verhältnis ergibt sich daraus?
Stop Loss bei 12.850, Kursziel 13.320, Chance-Risiko-Verhältnis 2,9 zu 1.

Wurden gängige technischen Indikatoren analysiert? Existieren widersprüchliche Signale?
Der 55-Perioden-SMA deutet auf eine Unterstützung hin. Der US-30 bewegt sich im Trend. Zur Beurteilung wurde zusätzlich der MACD herangezogen, der vor einem bullischen Signal steht. Die Überprüfung der Fibonacci-Retracements ergibt, dass der Widerstand bei 38,2 Prozent kräftig zu sein scheint. RSI und Slow Stochastik befinden sich beide in der neutralen Zone, sind aber im Trendmarkt wenig aussagekräftig.

Gibt es historische beziehungsweise empirische Daten, die die Entscheidung untermauern könnten?
Der US-30 verlief historisch immer wieder in klaren Trends (durchschnittlich rund fünf Monate lang). Der gegenwärtige Aufwärtstrend läuft seit drei Monaten. In den vergangenen sechs Monaten ist er sechs Mal am 55-Perioden-SMA abgeprallt.

Existieren Korrelationen, die sich auf den Trade auswirken könnten, zum Beispiel Entwicklungen im Index, Dollar oder Rohstoffpreise?
Die meisten globalen Indizes bewegen sich entsprechend meiner Meinung. Gold fällt. Investoren steigen aus den „sicheren Häfen“ aus und suchen attraktivere Renditen. Der Ölpreis steigt – ein Indiz für eine anziehende Weltwirtschaft.

Welchen prozentualen Anteil des Gesamtkapitals soll bei dieser Position eingesetzt werden und ist dieser Betrag gerechtfertigt?
Es werden fünf Prozent des gesamten Trading-Kapitals für diesen Trade riskiert, falls der Stoppkurs greift (ohne Slippage). Dieses Risiko ist vertretbar.

Welche Marginsumme soll für diese Position aufwendet werden und wie verhält sich diese Margin prozentual zum Kontostand?
20 Prozent des Kapitals sollen als Margin für diese Position eingesetzt werden. Das freie Kapital soll für andere Investitionsmöglichkeiten genutzt werden.

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